Am Anfang war Nichts! Dann ein Schrei...
Nein nicht der entsetzte Schrei meiner Mutter, jemand hat mich geschlagen.
Kindheit
Heute weiß ich, daß die das immer so machen. Naja, danach war's ne ganze Weile ziehmlich ruhig.
Ich wuchs auf, behütet von meinen Eltern, der Stasi, der Kinderkrippe und dem Kindergarten, das ganze in einem kleinen Ort (von manchen immer noch fälschlich STADT genannt) in der Lausitz.
Ich lernte reden, fluchen, laufen, essen, lügen und Dummheiten machen( exakt in dieser Reihenfolge ;-)) Ich kam auch in die Schule POS nannte man das damals im "Osten".
Da lernte ich, das blaue Halstücher cool sind und Kapitalismus nicht... Außerdem dachte "das System", daß es gut wäre, wenn klein Galak(damals hieß ich noch nicht so) Sport macht und musikalisch tätig wird.
Also habe ich Schach gespielt und meine Nachbarn jahrelang mit einer Geige gequält - ganz so schlecht kann ich aber gar nicht gewesen sein, sie wohnen immer noch dort.
Schulzeit & Wende
Irgendwie kam dann die Wende wir wurden alle "errettet" und rote und blaue Halstücher waren uncool. Meine POS wurde Grundschule und ich mußte zum Gymnasium.
Jetzt kommt der übliche Jugendkram: Party, Freunde, Frauen, Bier, Penne, Disco, Akne, Taschengeldentzug usw.
Ein Punkt sticht aber heraus: Aus mir wurde Galak, und an dem Namen hat sich bis heut nix geändert. (Die genaue Story will ich mir sparen, dafür reicht der Hompage-Patz nicht aus.)
Einen Vorteil hatte die Wende auf jeden Fall, man konnte überall hin. Also hab ich mir gedacht, Amerika ist ziehmlich weit weg - cool, und hab an so einem Schüleraustausch mitgemacht.
Also saß ich da ein Jahr in einem kleinen verschlafenen Nest mitten in Virginia, lernte Englisch, "richtige" Sportarten, die wahre Bedeutung von Fastfood, die halbe Bibel, echte Marlboro und noch andere wichtige Sachen kennen....
Irgendwie hab ichs dann auch geschafft, meine driver´s license zu maken, nach Germany zu comebacken and mich again wieder einzuleben.
Bundeswehr
2 Jahre später hatte ich mein Abi in der Tasche, ne Flasche Bier in der einen und ne Zichte in der anderen Hand und große Pläne für die Zukunft. Da beging ich irgendwie einen kleinen Fehler.
Ich muß ne Weile geistig umnachtet gewesen sein, denn als ich wieder aufgewacht bin, lag ich in einem Zimmer mit 9 Kerlen, hatte seltsame grünlich-dreckige Gewänder an und irgendjemand mit nem umgedrehten U auf der Schulter hielt es für nötig, uns das laufen neu beizubringen.
Heute weiß ich, daß das ganze Armee heißt (aber wirklich nur so heißt), daß dieses U auf der Schulter bedeutet, daß der mich so anschreien mußte, und daß es auch im Kapitalismus Orte gibt, an denen man nicht denken darf. Außerdem vergessen die dort ständig die Vornamen, also hieß ich mal "Panzerschütze", mal "Kanonier", mal "Gefreiter", dann "Obergefreiter" und zum Schluß "Entlassungskandidat".
Ich hab in dieser Zeit zwar das zählen verlernt, aber später sagte man mir, das ganze hätte 10 Monate gedauert und der Ort hieß Eggnam (die Einheimischen nannten ihn Eggesin). Ich bin mir bis heute noch nicht sicher, ob ich nicht doch von Außerirdischen entführt und zu grausamen Experimenten gezwungen worden bin....
Studentenleben
Nach einer Pause von fast 2 Monaten (in dieser Zeit lernte ich wieder zu denken, sprechen, Alkohol in Maßen zu trinken, mich vernünftig anzuziehen und Frauen als Menschen anzusehen) stand ich dann in Berlin, kämpfte mich durch Menschenmassen und wirre Straßenpläne und schaffte es tatsächlich, Student zu werden.
Eine Bleibe hatte ich auch, auch wenn der Kühlschrank eigentlich meistens den Strom nicht wert war, den er verbrauchte. Als guter und typischer Student (manche Leute bevorzugen den Ausdruck: Studierender; Studenten sind die mit den langen Haaren, dem Bier am Hals und jeder Menge Freizeit) wohnte ich natürlich nicht allein, sondern in einer WG.
Ursprünglich waren wir 3 Jungs und haben uns trotzdem 1 Jahr lang wacker geschlagen. ES GAB WIRKLICH RICHTIGES ESSEN und abgewaschen haben wir auch ab und zu... Nebenbei kann man sich ja in so einer "Männer-WG ganz seinen Hobbys hingeben. Also haben wir die ganze Wohnung vernetzt und verdrahtet, der Bequemlichkeit wegen.
Außerdem gabs da noch ein paar unvergeßliche Partys, laute Musik, ständig Besuch und ein gemeinsames Homepage-Projekt.
Aber weil Berlin nunmal ein unstetes Studenten-Pflaster ist, hat sich meine WG-Zusammensetzung schnell geändert und - schwups wohnte ich mit 2! Frauen!! zusammen. (Vom Regen in die Traufe?!?!?!) Außerdem waren wir damit jetzt eine reine Mediziner-WG. Ihr könnt euch ja vielleicht vorstellen, wie sowas aussieht: jedes zweite Wort ist auf Latein, es wimmelt nur so vor Skalpellen, Pinzetten und weißen Kitteln und meistens ist es unheimlich still, weil jeder mal wieder am büffeln ist.......
Von jetzt an verlief mein Leben in ungewohnt geordneten Bahnen. Ich lernte professionell abwaschen, ansatzweise kochen (Auch wenn das immernoch einige Leute sehr skeptisch betrachten ). Allerdings mußte ich bei so viel holder Weiblichkeit aufpassen, daß ich nicht unter die Räder komme, also zog ich um in den Keller.
Neben der ganzes Studiererei musste ich auch noch etwas Geld verdienen, also war ich eine Weile lang Tutor bei interpol und Administrator bei der ESC - da hab ich meine Begeisterung für's Programmieren, PHP und Linux entwickelt, was mich bis heute verfolgt...
Nach einer kurzen, aber schönen Schnupperzeit in Umea, Schweden, war das Studium dann auf einmal vorbei und es war Zeit, einen Job zu finden.
Lüdenscheid
Mein Berufswunsch war recht klar umrissen: Radiologe! Eine Uni-Kariere war mir aber doch etwas zu abgehoben und ich suchte nach einer bodenständigen Ausbildung. Die erste Stelle, die alles dies mit einem längerfristen Arbeitsangebot verbinden konnte, lag in Lüdenscheid im Sauerland. An dieser Stelle ist wohl erstmal ein Lob an die Gegend angesagt: Landschaftlich ist das Sauerland wunderschön - sanfte Hügel und steile Berge wechseln sich ab mit Wäldern und Tälern, es gibt jede Menge Flüsse, Stauseen zum Baden und Angeln, Platz zum Wohnen, Urlaub machen, Kühe züchten und Kinder großziehen... Die Leute hier sind schwer zu verstehen und schwer zu verändern, aber oft auch schwer in Ordnung. Lüdenscheid ist dabei sowas wie "die Bronx der Gegend" - optisch eher versaut, als Stadt in der Gegend fehlplatziert und eigentlich nur liebenswert wenn man in mindestens 3. Generation hineingeboren wird :) Böse Zungen sind sicher, die 3 Autobahnausfahrten der Stadt sind viel zu selten genutzte Fluchtwege... Aber immerhin hab ich hier meine Traumfrau kennengelernt und geheiratet, da war ich allerdings schon deutlich länger in diesem Landstrich als ursprünglich mal geplant. Auch beruflich bedingt ist die Zeit verdammt schnell rumgegangen - bei (zumindest gefühlten) 60h-Wochen und regelmäßigen 24h-Diensten bleibt die Zeit zum Nachdenken auch recht kurz...